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Empfinden der Zeit

Empfinden der Zeit – 1 Flügelschlag kann extremes Durcheinander bewirken

Im Verlauf eines Lebens verändert sich das Empfinden der Zeit. Diese Subjektivität des Zeitgefühls verändert auch unsere Erinnerung an Erlebtes.

Empfinden bedeutet „Altes“ mit Neuem zu verknüpfen

Je mehr Erinnerungen wir haben, desto schneller läuft die Zeit! Desto älter wir sind, desto subjektiver wird die „Erinnerung an die Zeit“. Wie lange uns ein Lebensabschnitt vorkommt, hängt davon ab, mit wie vielen bereits gesammelten Eindrücken wir ihn verkoppeln können.

Denk mal kurz über die letzten 12 Monate nach…

Wenn du magst, mach dir zu jedem Monat eine kurze Notiz. Notiere ein Erlebnis aus jedem Monat…

Warten, was passiert...
Warten, was passiert… empfinden wir teilweise als lästig!

Und?

Hast Du 12 Erinnerungen auf deinem Zettel? Dann bist du entweder noch nicht arg alt, oder machst gerade eine spannende Zeit durch.

Wenn du, wie ich, älter als 50 Jahre bist, kann es gut sein, dass auf deinem Zettel nur 3-5 Stichworte (Erinnerungen) stehen. Das ist total normal in diesem Alter. Dann ist einfach nichts be-MERKEN-s-wertes passiert. Situationen, die unser Verstand bereits kennt (den langweiligen Alltag zum Beispiel), gleicht er kurz ab und legt ihn ad Acta. Als Erinnerung gespeichert werden nur noch „Unterschiede“ zum bereits Bekannten. Ist nichts NEUES passiert, entsteht eine Zeit-Erinnerungs-Lücke. Deshalb fällt uns eventuell zu einem ganzen Monat nichts ein… Ganze Abschnitte des Lebens scheinen einfach nicht mehr zu existieren.

Der Zeit kann man hinterher rennen oder sie totschlagen…

Zeit kann wie im Flug vergehen, z.B. Im Gespräch mit einem Menschen, den wir mögen. Zeit kann aber auch endlos erscheinen, z.B. Wenn wir im Stau stehen oder auf einen Handwerker warten. Es ist total faszinierend. Plätschert das Leben so dahin, scheint die Zeit still zu stehen… in der Erinnerung existiert dieser Zeitraum aber nicht einmal mehr. Sind wir aber für 7 Tage im Urlaub an einem Ort, an dem wir noch nie waren, empfinden wir es als viel zu kurz! Wenn wir im Urlaub auch noch wandern, Rad fahren, schwimmen und einfach faul waren, dann werden wir in unserer Erinnerung das Gefühl haben, dass wir 14 Tage im Urlaub waren. 7 Tage sind viel zu wenig Zeit für so viele neue Eindrücke.

Wir empfinden die Zeit im Urlaub anders als die Daheim
Wir empfinden die Zeit im Urlaub anders, als die Daheim

Wir konstruieren uns unsere eigene Wirklichkeit…

… Nicht nur von der Zeit! Wenn sich die Sichtweise auf etwas verändert, verändert sich auch das Erleben. Ein total unwichtiges Ereignis kann sich in unsere Erinnerung einbrennen, wenn wir es mit etwas verknüpfen, das uns wichtig ist. Den Geburtstag der Schwiegermutter mit dem eigenen Hochzeitstag zum Beispiel. Wenn etwas Einschneidendes in der Welt passiert (der 11. September – genau, das war 2001, oder der Tsunami an Weihnachten – richtig, 2004), dann verknüpft unser Verstand das mit etwas Unwichtigem aus dem eigenen Leben. Bei 9/11 stand ich unter der Dusche, als der 1. Turm kollabierte. Beim Tsunami hatte ich gerade einen Bissen Ei im Mund. Aber was ich letzten Mittwoch zu Abend gegessen hab erinnere ich nicht mehr.

Ich habe wahrscheinlich ein ganz anderes empfinden der Zeit, als du.

Denn was mir wichtig ist, ist dir eventuell total unwichtig. In meiner Wirklichkeit habe ich immer Recht. Das bedeutet noch lange nicht, dass ich auch in deiner Wirklichkeit Recht habe.

Ich nehm nochmal den Urlaub als Beispiel.

Wenn ich allein unterwegs war, gibt es nur meine Erinnerung… das ist klar! So wie ich über diesen Urlaub erzähle, empfinde ich ihn. Du kannst es glauben oder nicht. Schilder ich dir in einem Jahr nochmal denselben Urlaub, kann er ganz anders gewesen sein. Je nachdem, wie ich mich grad fühle.

Wenn ich mit meinem Partner unterwegs war, wird unsere gemeinsame Urlaubserinnerung sehr ähnlich ausfallen (hoffentlich, denn wenn nicht, läuft was falsch in unserer Beziehung). Selbst wenn wir die ganze Zeit bei Regen und Sturm gestritten haben. Denn dann werden wir Beide sagen: das war ein scheiß Urlaub.

Wenn ich mit den Jungs 4 Tage Motorrad fahren war, kommt es schon zu teils sehr unterschiedlichen Erinnerungen. Dem einen war’s zu schnell oder zu langsam, dem anderen zu kurvig oder zu langweilig. Das Essen war klasse oder eben nicht. Als Motorradfahrer werden wir uns aber beim Wetter wohl einig sein. Wir empfinden trockene und kurvige Straßen deutlich positiver als bei Regen auf der Autobahn unterwegs zu sein!

Jeder Mensch empfindet anders
Jeder Mensch empfindet anders

Andere Sichtweisen zulassen bedeutet LERNEN!

Im Grunde ist eine Meinungsverschiedenheit also nichts anderes, als eine unterschiedliche Betrachtungsweise. Wenn ich etwas (noch) nicht kenne, muss ich es erst einmal einschätzen lernen und mir dann eine eigene Meinung bilden. Hier noch mal ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Empfinden der Zeit
Das Empfinden eines Anblickes ist unterschiedlich

Ich gehe an einem breiten Fluss spazieren und beobachte auf der anderen Uferseite folgende, auf mich bedrohlich wirkende, Situation:

Auf dem Boden liegt ein lebloser Mensch auf dem Rücken. Über ihn beugt sich ein großer, kräftiger und ganz in schwarzes Leder gekleideter Mann. Er scheint den bereits am Boden liegenden Mensch zerquetschen zu wollen – denn er stemmt sich mehrfach mit beiden Armen auf seinen Brustkorb. Ich bin total entsetzt, rufe die Polizei und schrei zu dem „Rocker“ rüber er soll sofort aufhören den Mann zu schlagen… Der schwarze Mann hört nicht auf den am Boden liegenden zu malträtieren! Er schreit nur zurück: ER STIRBT… Die Polizei kommt zusammen mit dem Notarzt – der „böse“ Rocker hat „nur“ eine Herzdruckmassage gemacht und dem Mann, der beim Spazieren gehen einen Herzinfarkt erlitten hatte, dadurch das Leben gerettet!

Ab diesem Moment kennt mein Verstand auch diese Situation und schätzt sie beim nächsten Mal wohl anders ein. Wahrscheinlich werde ich sie nicht mehr als bedrohlich empfinden. Auf der Basis des „lernen durch erfahren“ entwickeln wir übrigens unsere Intuition. Und Intuition ist diese emmens wichtige Quelle, aus der wir schöpfen können, wenn wir schnelle Entscheidungen treffen sollen! Im Grunde genommen hilft uns unsere Intuition dabei, dass wir uns sicher fühlen. Sie hilft uns Entscheidungen zu treffen, bei denen wir unsere Gefühle berücksichtigen. Sie ist unser Leuchtturm, der uns durch das Leben führt.

Empfinden ist generell etwas sehr spannendes…

Eine einmal gemachte Erfahrung kann man empfinden… Sie versetzt uns in die Lage “nach-empfinden” zu können, was uns jemand erzählt. Wir lernen Ekel zu empfinden, aber auch Vorfreude. Emotionen und Sinneseindrücke wie einen extremen Schmerz, tiefe Trauer aber auch “verliebt sein” oder einen Orgasmus, sind nur recht kurz erinnerbar (ich meine damit das Gefühl, das du unmittelbar dabei empfunden hast).

Der Versuch sich an einen Erlebten extremen Schmerzzustand zu erinnern, wird dich zu der Erkenntnis bringen, dass das nicht geht! Es ist möglich sich daran zu erinnern, dass man extreme Schmerzen gehabt hat. Der Schmerz selbst (also das Gefühl) ist aber nicht mehr abrufbar. Wir sind (bei Schmerzen glücklicherweise) nicht in der Lage Emotionen aus der Vergangenheit in der Gegenwart nochmal zu empfinden. Wir wissen, was wir empfunden haben, können aber das Gefühl selbst nicht wieder spüren.

Eine Landkarte – und sei sie noch so gut – ist nie dasselbe, wie die Landschaft selbst!

Wenn ich etwas beschreibe oder erkläre, sind es immer meine eigenen Empfindungen. Ob du sie so verstanden hast, wie ich es meinte, weiß ich erst, wenn du sie kommentierst.

Was ich heute mache, entscheidet meinen Werdegang… Es ist OK, dass mein Empfinden der Zeit nur für mich gültig ist. Wichtig ist, dass wir lernen zu akzeptieren, dass auch eine andere Empfindung den gleichen Wert hat wie die eigene. Wenn uns das gelingt, ist es egal ob mein Tag 24 Stunden lang ist und deiner gefühlt 48. Jeder hat seine eigene Empfindung, nicht nur von der Zeit – und das ist auch gut so. Denn wenn wir alle das Gleiche empfinden würden, wär das Leben ganz schön langweilig!

Nicht was wir denken ist ausschlaggebend im Leben, sondern was wir tun!

Zu LEBEN ist wichtig. In sich reinhören und auch unvernünftige Dinge zu machen. Nicht alles, was gesund ist, ist auch GESUND… Ich denke, LEBEN sollte in erster Linie Spaß machen und nicht auf Länge gelebt werden… Der INHALT ist wichtig, nicht die Verpackung (Zufriedenheit kann man nicht kaufen…) Dazu gehört auch – finde ich – dass ich in der Lage bin, mir selbst-zu-verzeihen. Ob ein „Fehler“ ein Fehler ist, weiß ich immer erst im Nachhinein!

in diesem Sinne,

Ich würde mich sehr freuen, wenn du deine Gedanken, dein Empfinden zu/über meinen Text mit mir teilst und mir einen Kommentar schickst!

Liebe Grüße

Andrea

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